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20.07.2005

Weiterbildung in der Hand der Meisterfrauen

Die Weiterbildung ist fest in der Hand der Meisterfrauen

Nein, ein Kaffeeklatsch ist das nicht. Das haben auch die Ehemänner der südostoberbayerischen Meisterfrauen im Handwerk gelernt. EDV, Steuerrecht, Marketing, Unternehmensführung: Bei den Seminaren geht es richtig zur Sache. «Am Anfang haben uns die Männer noch belächelt. Dann haben sie gemerkt, dass wir von unseren Veranstaltungen Wissen mitbringen, das dem Betrieb weiterhilft», sagt Vorstandsvorsitzende Sylvia Schmid.

Gerade ist ein Seminar zu Ende. Eine Situation, in der die Teilnehmer oft aus einer Art passives Wachkoma hochschrecken und fluchtartig ihre Unterlagen zusammenpacken. Nicht so in dieser Runde: Da wird noch so manche kritische Frage an den Referenten gestellt. «Unsere Seminare sind uns wichtig. Da holen wir uns hoch qualifizierte Leute und geben richtig Geld aus», sagt Sylvia Schmid.

Zwei bis drei solche Veranstaltungen gibt es jeden Monat. Themen sind zum Beispiel «eMails, Termine, Aufgaben am PC verwalten», «Die fiesen Tricks der Banken in der Wirtschaftskrise», «Was gehört auf eine Homepage?» oder «Erfolg in gesättigten Märkten». EDV-Schulungen gibt es ebenso wie Rhetorik, Persönlichkeitsbildung, Verkaufsschulung oder Psychologie im Sinne von «Durchhalten in der Krise».

Was zählt, ist, dass die Frauen etwas dazulernen, was den heimischen Betrieb weiterbringt. Seit elf Jahren gibt es die südostoberbayerischen Meisterfrauen. Waren es im ersten Jahr noch 27 Mitglieder, so sind inzwischen 167 Frauen aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Rosenheim und Mühldorf dabei. Sie sind die Ehefrauen, Freundinnen, Töchter und Schwiegertöchter von Handwerksmeistern oder selbst als Meisterin die Chefin in einem Betrieb. Viele kommen aus dem Baugewerbe, aber auch aus Metzgereien, Schneider- Kfz- und Elektrobetrieben, Friseurstudios - es gibt keine Festlegung auf eine bestimmte Branche.

Auf den Seminaren lernen drei Generationen gemeinsam - von Anfang 20 bis über 70 Jahre. Natürlich gibt es auch mal gesellige Anlässe wie einen Jahresausflug oder die Weihnachtsfeier, aber in erster Linie geht es um die Fortbildung. «Damit jedes einzelne Seminar für die Teilnehmerin nicht so teuer ist, wird der Jahresbeitrag von 98 Euro komplett für die Seminare hergenommen», erklärt Schmid.

Und dann gibt es da noch ein paar Projekte, auf die die Meisterfrauen besonders stolz sind: Zum Beispiel auf die Ausbildung zur Bürokauffrau oder zur Fachwirtin für kaufmännische Betriebswirtschaft. Die läuft zusammen mit dem Berufsbildungs- und Technologiezentrum Traunstein (BTZ) und dauert ein Jahr. Gedacht ist die Ausbildung für Frauen, die aus völlig anderen Berufen kommen, in einen Betrieb einheiraten und somit beruflich ins kalte Wasser springen.

Durch offene Gespräche stellten die Frauen in dieser Runde fest, dass es immer mehr Betrieben immer schlechter geht - und schon war ein neues Projekt zur «Existenzsicherung» geboren. Dieses dauert insgesamt 14 Monate es können immer zwei Vertreter einer Firma - also auch die Männer - mitmachen. «Wir setzen in jedem Betrieb da an, wo das Problem ist», sagt Sylvia Schmid, die zusammen mit Martin Schön vom Bildungsinstitut Bims in Traunstein die Projektleitung hat. Neben Tagesseminaren und Abendworkshops gibt es auch Betriebsbesuche, bei denen Experten - je nach Problem Banker, Steuerberater, Marketingleute… - bei der Umsetzung helfen.

Noch nicht umgesetzt, aber schwer in der Planungsphase ist «Get ready for the future - get fit for the job», ein Projekt für Schüler, das ihnen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz helfen soll. Dabei wollen die Meisterfrauen in den achten und neunten Klassen Zugang zu den Jugendlichen finden, ihnen helfen ihre Talente und Schwächen zu erkennen, auf Praktika vorbereiten und die Anforderungen der Unternehmen klar darstellen. Ein Vorhaben, das viel Arbeit macht, aber auch Geld kostet - und Geldquellen sind derzeit schwer aufzutun. Mehreren Politikern hat Sylvia Schmid ihr Konzept vorgestellt, Bezirksrat Klaus Steiner hat ihr seine Schützenhilfe zugesagt.

Und so gibt es bei den Meisterfrauen immer was zu organisieren. Weit anderes, als den Kuchen für den nächsten Kaffeeklatsch auszuwählen.

Infos unter Telefon 0861-9897710 bei der Betriebsberatungsstelle der Handwerkskammer.

Foto und Autor: Katrin Detzel

Mit freundlicher Genehmigung der "Rosenheimer Nachrichten"

Quelle: Rosenheimer Nachrichten

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