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29.03.2005

Weiterbildung: Vernachlässigte Chance

Eine gute Ausbildung ist der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Die berufliche Weiterbildung wird dennoch zunehmend vernachlässigt – und zwar vor allem in den Bevölkerungsgruppen, die stark von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder ihren Job bereits verloren haben.

„Deutschland muss was tun!“, appellierte die Benchmarking-Gruppe des Bündnis für Arbeit vor gut drei Jahren angesichts der ernüchternden Zahlen der beruflichen Weiterbildung: Im internationalen Ranking war Deutschland auf den drittletzten Platz gerutscht. Was das Bundesbildungsministerium jetzt an Zahlen veröffentlichte, ist alles andere als eine Entwarnung. Statt mehr haben sich seitdem erneut weniger Menschen beruflich weitergebildet. Nur noch 26 Prozent der 19- bis 64-Jährigen besuchten 2003 einen beruflichen Weiterbildungskurs oder Lehrgang (1997: 30, 2000: 29 Prozent). Vom Rückgang betroffen: alle Weiterbildungstypen, von der Berufsumschulung bis zur Aufstiegsweiterbildung.

Osten verliert Weiterbildungsvorsprung

Besonders deutlich ist das Minus in Ostdeutschland, hier schlagen vor allem die Bildungs-Kürzungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) durch. Von 37 auf 26 Prozent rutschte der Anteil jener, der sich beruflich weiterbildet. Bundesweit hatten die Arbeitsämter 2002 noch fast 560.000 Arbeitslose beruflich weitergebildet oder umgeschult, ein Jahr später nur noch gut halb so viele. Grund ist laut BA die „stärkere Ausrichtung am Eingliederungserfolg“ nach den Erschütterungen durch den „Vermittlungsskandal“ von 2002, der den Anstoß für die Hartz-Reformen und den grundlegenden Umbau der Bundesanstalt für Arbeit gab.

Weiterbildung geht an Risikogruppen vorbei

Die jetzige Weiterbildungspraxis dürfte jedoch nicht dazu beitragen, die Chancen von Risikogruppen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Obwohl der Zusammenhang zwischen niedrigem Bildungsniveau und hoher Arbeitslosigkeit augenfällig ist (siehe Grafik), haben sich gerade einmal acht Prozent der Erwerbslosen (zwölf Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen) beruflich weitergebildet. Bei den Erwerbstätigen tat dies hingegen jeder/jede Dritte.

Das Berichtssystem richtete seinen Fokus auf formal organisierte Weiterbildungs-Aktivitäten im Jahr 2003, hier liefert es auch strukturell interessante Ergebnisse: Von den 50- bis 64-Jährigen, die deutlich schlechtere Arbeitsmarktchancen als Jüngere haben, nutzen trotzdem nur 17 Prozent berufliche Weiterbildungsangebote: Weiterbildung ist vor allem bei Menschen in den mittleren Jahren gefragt: 31 Prozent der 35- bis 49-Jährigen haben sich beruflich weiter gebildet.

Je schlechter die Bildung, desto armseliger die Beteiligung an Weiterbildung. Nur einer von zehn Menschen ohne Berufsausbildung war 2003 mit einer Weiterbildung dabei. Die Hochschulabsolventen zeigten, wie es auch sein kann: fast jede/r Zweite bildete sich beruflich weiter. Meister und Meisterinnen ebenso überdurchschnittlich zu 38 Prozent. Durchgehend trifft die Studie auf den gleichen Trend: 38 Prozent der „Weiterbildungsaktivisten“ haben Abitur, 16 Prozent einen Hauptschul-, Volksschul- oder gar keinen Abschluss.

Am unteren Ende im Teilnehmer-Ranking stehen ungelernte oder angelernte Arbeiter, von denen nur 13 Prozent einen Weiterbildungskurs belegten. Besonders häufig bilden sich Beamte und Beamtinnen beruflich weiter (zu 59 Prozent). Gut sieht es auch bei den leitenden Angestellten aus (47 Prozent).

Frauen haben bei der beruflichen Weiterbildung gegenüber den Männern aufgeholt. Einmal, weil sie selbst etwas mehr Weiterbildung betrieben (zu 24 Prozent), vor allem aber, weil sich 2003 so viel Männer aus der beruflichen Weiterbildung verabschiedet haben. Statt 28 Prozent wie in 2000 waren es nur noch 24 Prozent. Erwerbstätige Frauen bildeten sich erstmals häufiger fort als erwerbstätige Männer (35 und 34 Prozent).

Ausländer nutzen Weiterbildungsangebote weiterhin deutlich seltener als Deutsche. Der Abstand hat sich jedoch verringert. Von 100 befragten Ausländern nahmen 13 an einer beruflichen Weiterbildung teil, immerhin einer mehr als 2000. Bei den Deutschen sank die Quote hingegen von 30 auf 27 Prozent.

Quelle: Hans Böckler Stiftung

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