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07.01.2005

Wer sich nicht fortbildet, riskiert Kündigung

Weiterbildung im Beruf wird zunehmend zur Privatsache der Beschäftigten

Der Düsseldorfer Anwalt Claus Mundorf glaubt, dass Firmen das Anforderungsprofil ihrer Belegschaften ändern, um Mitarbeitern kündigen zu können. Anlass für diese Befürchtung sind Entscheidungen von Arbeitsgerichten. Mundorf empfiehlt, ständig den Markt zu beobachten und sich selbst gezielt zu qualifizieren.

Bei fehlender Qualifikation kann ein Unternehmen im Extremfall seinen Mitarbeiter entlassen, wenn dessen bisherige Tätigkeit in der Firma nicht mehr nachgefragt wird. Das hat in letzter Instanz das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt entschieden (Az.: 2 AZR 326/03). Dort unterlag ein Arbeitnehmer, der betriebsbedingt entlassen wurde. Er hatte - erfolglos - verlangt, auf einen anderen freien Arbeitsplatz im Unternehmen versetzt zu werden. Für diese Tätigkeit fehlte ihm allerdings die vom Arbeitgeber verlangte mehrjährige Berufserfahrung. Daher konnte die Firma ihrem Beschäftigten kündigen.

Diese arbeitgeberfreundliche Rechtsprechung scheint in Zeiten eines Überangebots an Arbeitskräften im Trend zu liegen. Diese Erfahrung machte auch Claus Mundorf, auf Arbeitsrecht spezialisierter Anwalt aus Düsseldorf. Er vertrat vor dem Arbeitsgericht einen Elektriker, dem verhaltensbedingt gekündigt wurde, weil er sich nicht aus eigenen Stücken zum Klima-Installateur fortgebildet hatte. Die Firma des Klägers hatte über Jahre Heizungen von Elektrikern anschließen lassen. Inzwischen aber, so argumentierte der Betrieb, erfordere diese Tätigkeit einen qualifizierten Klima-Installateur. Vor Gericht erreichte Mundorf schließlich einen Vergleich, der dem Kläger eine Abfindung sicherte. Gleichwohl findet der Anwalt es bedenklich, dass die Richter die Bringpflicht in Sachen Fortbildung auf den Arbeitnehmer verlagert haben. Der müsse praktisch den Markt beobachten und sich selbst gezielt qualifizieren, wenn er seine Stelle behalten wolle.

Mundorf sieht einen bedenklichen Trend, der schließlich dazu führen könne, dass Firmen das Anforderungsprofil ihrer Belegschaften ständig ändern und dann Mitarbeiter nicht nur verhaltens-, sondern auch betriebsbedingt kündigen können. Dies würde sie vor Gericht eine geringere Abfindung kosten. Betroffen seien nicht nur Handwerker oder Mitarbeiter in der gewerblichen Wirtschaft, sondern beispielsweise auch Spezialisten in der IT-Branche. Wenn dort mehrjährige Projekte abgearbeitet worden sind, könnten sich die Firmen von Mitarbeitern trennen, weil diese angeblich den neuesten Anforderungen des Marktes nicht mehr entsprechen.

Diesen Trend sieht auch Hans-Jürgen Sattler von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Grundsätzlich fordern seine Gewerkschaft wie auch die IG Metall von Arbeitnehmern lebenslanges Lernen. Die IG Metall hat dies sogar in ihrem Entgeltrahmentarifvertrag (ERA) festgeschrieben, in dem eine bessere Bezahlung und ein beruflicher Aufstieg an eine ständige Qualifizierung gebunden sind. Ein Grundsatz müsse allerdings gewahrt bleiben, so die Gewerkschaften: "Fortbildung und Qualifizierung müssen vom Betrieb gefördert und bezahlt werden", meint ver.di-Experte Sattler. Es könne nicht sein, dass ein Arbeitnehmer heute schon wissen müsse, welche Qualifikation seine Firma morgen erwarte, und dass der Arbeitnehmer die Qualifizierung auch noch selbst bezahlen müsse.

Quelle: VDI

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