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02.09.2004

Vom Ersatzmann zum Stammspieler

Wie Job-Rotation funktioniert – ein Beispiel aus der Kfz-Zulieferindustrie

Arthur Kasprowicz arbeitete bei einer Klempner-Firma. Bis er im Frühjahr 2003 die Kündigung erhielt. „Es mangelte an Aufträgen, da musste ich gehen“, sagt der 26-Jährige achselzuckend. An die 30 Bewerbungen schrieb der arbeitslose Gas- und Wasserinstallateur: „Es hagelte nur Absagen.“ Trotzdem steckte der junge Mann nicht auf. Was sich am Ende auszahlte: Jetzt hat er wieder Arbeit.

Neue Chance für alten Hasen

Rainer Reuter hatte die Hoffung schon aufgegeben, nach anderthalb Jahren Arbeitslosigkeit. „Mit Mitte 50 einen neuen Job bekommen? Das schien mir ziemlich aussichtslos“, sagt der gelernte Betriebselektriker. Aber dann machte er einen Mechatronikerlehrgang, bewarb sich – und kam doch noch unter. „Eben Glück gehabt“, freut sich der Hagener.

Mit 55 zurück ins Berufsleben: Auch alte Hasen wie Rainer Reuter profitieren von Job-Rotation. Jetzt versorgt er eine Anlage mit Nachschub, die Rückwände für Autositze verschweißt.

Ramazan Yilmaz war bei einer Firma, die Industriemagnete herstellt. Bis dieser die Aufträge ausgingen. „Auf einen Schlag wurden 20 Leute entlassen. Ich gehörte leider dazu“, sagt der 24-jährige Teilezurichter. „Zig Bewerbungen“ hatte der Mann aus Recklinghausen verschickt – eine nach Hagen. Die führte schließlich zu einer neuen Beschäftigung. Nur drei von insgesamt 17 Männern, die in Hagen den Sprung zurück ins Berufsleben geschafft haben. Sie arbeiten heute im TWB Presswerk, einem Kfz-Zulieferer, in der Produktion.

Möglich macht das ein Arbeitsmarktmodell, das Deutschland den Dänen abgeguckt hat. Die Rede ist von Job-Rotation. Dieses Instrument könnte auch hierzulande zur Drehscheibe für Arbeitslose werden.

Jobs am laufenden Band: 17 Arbeitslose bekamen bei TWB eine neue Beschäftigung – wie Ramazan Yilmaz. Er arbeitet an einer Presse, die Profile für Sitzlehnen in Form bringt.

Bis vor wenigen Jahren verstand man hierzulande unter Job-Rotation, dass Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze tauschen, um sich zusätzliche Fähigkeiten anzueignen. Doch die dänische Variante verfolgt ein anderes Ziel. Sie will in erster Linie Arbeitslose von der Straße holen. Die sollen als zeitweise Verstärkung in die Betriebe kommen – in der Hoffnung, dass sie anschließend schneller einen neuen Job finden. Und so funktioniert’s: Während sich ein Mitarbeiter weiterbildet, rückt ein bis dahin Arbeitsloser nach. Im Betrieb gibt es dadurch also keinen Arbeitsausfall. Der Stellvertreter wiederum erhält die Möglichkeit, sich im Job zu bewähren und vielleicht übernommen zu werden. Erfahrungen in Dänemark zeigen, dass bis zu 70 Prozent der „Stellvertreter“, darunter viele Langzeitarbeitslose, einen festen Arbeitsplatz bekommen – die meisten im gleichen Betrieb.

Es gibt keine Verlierer

Auch im Falle des Unternehmens TWB, das unter anderem Rücksitzlehnen für die Plattform des Golf V produziert, ging die Rechnung auf. 20 Männer wurden ab August beziehungsweise September 2003 als Ersatzkräfte in der Produktion eingesetzt. 17 bekamen nach der Job-Rotation, die Anfang dieses Jahres endete, einen festen Vertrag.

„Auch die drei, die leer ausgingen, haben gewonnen“, sagt Ralf Potthast, der das Projekt von Seiten der Bundesagentur für Arbeit begleitet: „Sie haben schließlich dazugelernt; das ist gut für die Bewerbung.“ TWB setzte auf Job-Rotation, um alle 450 Mitarbeiter der Produktion ein halbes Jahr lang an einem Tag pro Monat weiterzubilden. Da genug Ersatzmänner bereitstanden, um als Produktionshelfer an den Schweißanlagen und Pressen einzuspringen, lief die Fertigung reibungslos weiter.

Sich ohne Risiko kennenlernen

Personalchef Hannes Kranenpoot-Schmale nutzte das Förderinstument Job-Rotation vor allem dafür, neue Mitarbeiter zu gewinnen, denn der Hagener Systemlieferant expandiert kräftig: „Während dieser Zeit lernt man sich gut kennen. Und das ohne Risiko. Deshalb ist das Ganze eine gute Sache.“

„Beide Seiten profitieren also“, betont Andreas Langmann. Er ist bei der Hagener Beschäftigungs- und Qualifizierungsförderung GmbH (HABEQ) für Job-Rotation zuständig, deren Gesellschafter die Stadt, die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen, die Kreishandwerkerschaft Hagen und das Berufsfortbildungswerk des DGB sind. Langmann wünscht sich, dass dieses Instrument viel intensiver genutzt wird: „TWB ist für uns ein Leuchtturm. Das Potenzial für Job-Rotation ist bisher in der Region bei weitem noch nicht ausgeschöpft.“ Auch Personaler Kranenpoot-Schmale rührt die Werbetrommel: „Alles ging schnell und unbürokratisch über die Bühne. Job-Rotation bringt es.“

Texte: Wilfried Hennes
Fotos: DaimlerChrysler, Eifrig Stichwort Job-Rotation

Damit Job-Rotation zu einem Sprungbrett für Arbeitslose wird, greift der Staat den Betrieben finanziell unter die Arme. So zahlt das Arbeitsamt 50 bis 100 Prozent der gesamten Arbeitskosten des Stellvertreters. Der zur Fortbildung freigestellte Mitarbeiter erhält weiterhin seinen regulären Lohn. Die Kosten trägt entweder der Arbeitnehmer selbst oder der Arbeitgeber.

Ein Problem allerdings: Während berufliche Fitnesskurse meist von kurzer Dauer sind, ist die Sache für den Stellvertreter nur dann sinnvoll, wenn er längere Zeit im Betrieb ist, um richtig Tritt zu fassen. Dieses Manko lässt sich lösen, indem die Ersatzkräfte für mehrere feste Mitarbeiter nacheinander einspringen – gegebenenfalls auch in benachbarten Unternehmen. Eine Stellvertretung ist höchstens auf ein Jahr begrenzt.

Wegen der schlechten Konjunktur sparen jedoch viele Betriebe an der Fortbildung. Das ist ein Grund dafür, dass Job-Rotation nicht so richtig in Schwung kommt. Das zeigt auch das Beispiel Hagen, wo dieses Instrument seit zwei Jahren eingesetzt wird. Das Arbeitsamt konnte bislang nur 30 Stellvertreter in insgesamt zehn Betrieben vermitteln. Aber immerhin 20 davon wurden am Ende fest übernommen.

TWB drückt auf die Tube

TWB wächst und wächst. Die 1977 mit einer Handvoll Mitarbeitern gegründete Firma hat sich schon früh auf die hohen Anforderungen der Automobilkunden eingestellt und beschäftigt heute 608 Menschen.

Das Unternehmen

Der Beginn des enormen Wachstums begann Anfang der 90er-Jahre mit der Umsetzung der Plattformstrategie bei VW. Dieser Hersteller stellt all seine Auto-Marken der gleichen Klasse auf der gleichen Plattform her. Die ursprünglich nur für den Golf produzierte Hintersitzlehne findet nun mehr gleichermaßen Verwendung in Modellen von Audi, Seat und Skoda. Das gilt aktuell auch für die Plattformen Polo und Passat.

Die Hagener fertigen jedoch nicht nur Produkte für den VW-Konzern, sondern auch für andere namhafte Automobilhersteller. Bei der Sitz- und Fahrzeugtechnik zählen BMW (Gurtintegralvorderlehne für 3-er und 6-er BMW, für Bentley und Ferrari), DaimlerChrysler (Karosserieteile A-Klasse), Opel (Rückenlehnenstrukturen für Corsa und Vetra) sowie Ford zu den Kunden.

Deshalb sind die Zukunftsaussichten glänzend für TWB. Aber auch dieser Zulieferer steht – wie alle anderen auch – unter einem immensen Kostendruck. Außerdem schrauben die Autobauer ihre Qualitätsanforderungen immer weiter nach oben. Diesem Trend begegnet man in Hagen mit einem eigenen Qualifizierungs- und Entwicklungsprogramm, dem sich alle Mitarbeiter stellen müssen. So kann jeder Einzelne seinen Teil dazu beitragen, seinen Arbeitsplatz für die Zukunft zu sichern.

Quelle: AKTIV

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