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27.02.2004

Qualifizierung von Arbeitslosen

Sparen durch Umsteuern

Mit kurzen Trainingsmaßnahmen lassen sich genauso viele Arbeitslose wieder in Lohn und Brot bringen wie mit langwierigen Weiterbildungskursen – allerdings zu einem Bruchteil der Kosten.

Deshalb steuern die Arbeitsämter bei den Maßnahmen neuerdings verstärkt um. Das ist dringend nötig, denn von den insgesamt rund 5,7 Milliarden Euro für Qualifizierungsmaßnahmen fließen immer noch knapp 90 Prozent in die berufliche Weiterbildung.

Durch Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung wollen die Arbeitsämter ihre Klientel wieder fit machen für die Berufswelt. Auch ein fehlender Berufsabschluss kann auf diese Weise nachgeholt werden. Es handelt sich daher größtenteils um längerfristige, meist mehrmonatige Vollzeitmaßnahmen, die nicht ganz billig sind:

Pro Teilnehmer und Maßnahme wendet die Bundesagentur durchschnittlich 20.300 Euro auf. Das Geld ist jedoch allzu oft schlecht angelegt, wenn man die Eingliederung in den regulären Arbeitsmarkt als Erfolgskriterium heranzieht.

So haben nur 39 Prozent der im Jahr 2002 geförderten Teilnehmer innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach Abschluss der Weiterbildung eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Die Eingliederungsquote liegt damit zwar über der von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (26 Prozent), bleibt aber unter dem Durchschnitt aller Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik (41 Prozent). An den Erfolg von Eingliederungszuschüssen (71 Prozent) kommen die Weiterbildungsmaßnahmen aber bei weitem nicht heran.

Vor diesem Hintergrund hat Nürnberg bereits im vergangenen Jahr die Qualifizierungspolitik neu ausgerichtet. Die Zahl der Weiterbildungsmaßnahmen wurde von 2002 auf 2003 drastisch zurückgefahren, und zwar um 46 Prozent auf knapp 250.000 neue Kontrakte (Grafik).

Stattdessen setzten die Arbeitsämter vermehrt auf Trainingsmaßnahmen. Gefördert werden drei verschiedene Typen:

1. Maßnahmen zur Eignungsfeststellung. Danach wird u.a. in Beratungsgesprächen und durch Testverfahren geprüft, für welche Tätigkeiten Arbeitslose geeignet sind oder welche weiteren Förderungsmaßnahmen erforderlich sind.
2. Förderung der Eigeninitiative. Den Probanden wird beigebracht, wie sie sich am besten bewerben („Bewerbertraining“). Zudem bekommen sie Tipps, wie sie an geeignete Stellen selbst herankommen.
3. Berufliches Fitnesstraining. In begrenztem Umfang – die Kurse dauern nur zwei bis acht Wochen – können auch Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, die zur Aufnahme einer Arbeit oder zur Teilnahme an einer Weiterbildung notwendig sind – wie Englisch oder ein Kurs, der im Umgang mit der Office-Software fit macht.

Daneben lässt sich durch die Trainingsmaßnahmen auch austesten, ob die Arbeitslosen tatsächlich arbeiten wollen: Wer sich der Teilnahme entzieht, muss mit Sperrzeiten bei den Unterhaltsleistungen rechnen.

Seit der Einführung im Jahr 1997 ist die Zahl der Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen geradezu sprunghaft gestiegen. Im Jahre 2003 wurden insgesamt fast 1,1 Millionen neue Teilnehmer gezählt. Damit haben sich Trainingsmaßnahmen – rein quantitativ – zum wichtigsten Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik entwickelt.

Das neue Arbeitsamtsinstrument ist zudem preisgünstiger als die herkömmliche berufliche Weiterbildung. Zwar schneidet es mit einer Eingliederungsquote von 37 Prozent genauso schlecht ab wie die Weiterbildungsmaßnahmen. Die Kosten aber betragen nur 545 Euro pro Teilnehmer; dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist unschlagbar.

Was des einen Freud, ist des anderen Leid. Denn die Anbieter von Bildungsmaßnahmen leiden unter der Neuausrichtung der Qualifizierungspolitik, weil die schrumpfende Auslastung bei den Weiterbildungsmaßnahmen durch die vermehrte Nachfrage nach Trainingsmaßnahmen bei weitem nicht ausgeglichen wird.

Es ist jedoch allemal besser, für ABM und Co. weniger Geld auszugeben und dadurch mittelfristig den Spielraum für Beitragssenkungen in der Arbeitslosenversicherung zu bekommen, als durch unnötig hohe Lohnzusatzkosten einen Teil der Arbeitslosigkeit selbst zu schaffen.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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