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23.04.2007

IG Metall zum Fachkräftemangel

An der aktuellen Debatte um den Fachkräftemangel zeigt sich wieder einmal:

Die Versäumnisse der Vergangenheit was Aus- und Weiterbildung angeht, rächen sich schnell und sie sind richtig teuer! die IG Metall nennt die Fakten zum Fachkräftemangel und macht vier Vorschläge zur Lösung des Problems.

Die Entwicklung der Fachkräfte ist eines der großen Themen. Der Kampf um die Talente scheint angebrochen zu sein.

Das sind die Fakten:

- Die IT-Branche kann 20.000 offene Stellen nicht besetzen, die Hälfte der IT-Unternehmen will die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr erhöhen.

- Über den Mangel an Ingenieuren wird viel diskuitiert: 23.000 Stellen sollen es sein, die nicht zu besetzen sind.

- Für den Bereich der Elektroindustrie wird geschätzt, dass durch den Mangel an Fachkräften ein bis drei Prozent Umsatzzuwachs nicht realisiert werden kann. 3,5 Milliarden Euro Einbußen sollen es im letzten Jahr in der gesamten Volkswirtschaft gewesen sein.

Hier zeigt sich wieder einmal: Die Versäumnisse der Vergangenheit was Aus- und Weiterbildung angeht, rächen sich schnell und sie sind richtig teuer!

Die IG Metall stellt fest: Wer bis zum heutigen Tag systematisch zu wenig ausbildet, in Sachen Weiterbildung sich nur mäßig aufgestellt hat – der sollte nicht so laut jammern. Versäumnisse liegen bei der Politik, ja das stimmt – sie liegen aber auch bei den Unternehmen.

Betriebswirtschaftliche Entscheidungen ersetzen auch keine Branchenpolitik in Sachen Qualifizierung.

Die IG Metall fordert eine systematische Prognose und bessere Erfassung des Fachkräftebedarfs in den Industriebranchen. Damit soll dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden. Statt über den Fachkräftemangel Krokodilstränen zu vergießen, müssen die Unternehmen endlich ihre Verantwortung für die ausreichende Qualifizierung von Facharbeitern und Ingenieuren wahrnehmen. Dazu bedarf es einer neuen Branchenpolitik. Die IG Metall ist bereit, diesen Dialog zu führen.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, machen wir vier Vorschläge:

1) Fachkräftemonitoring

Die Wirtschaft ist aufgefordert, systematische Prognosen des Fachkräftebedarfs auf Branchenebene in den Regionen zu erarbeiten.

Wenn sogar Schlüsselberufe in der Metallindustrie, wie der Zerspanungsmechaniker, von Headhuntern gesucht werden oder wenn bei Siemens im Kraftwerkbau Jungfacharbeiter mit Ingenieur-Gehältern geködert werden, dann sind die Defizite bei der vorausschauenden Qualifizierung von Fachkräften offensichtlich.

Mit dem von der IG Metall geforderten Monitoring bekommen die Unternehmen einen Überblick über das Ausmaß des Mangels an notwendigen Qualifikationen.

Jetzt müssen auch auf Branchenebene geeignete Instrumente wie ein Monitoring installiert werden.

2) Tarifvertrag Qualifizierung

Die IG Metall hat mit dem Abschluss des Tarifvertrages Qualifizierung für die Metallindustrie in der zurückliegenden Tarifrunde 2006 ein wichtiges Instrument geschaffen.

Es trägt dazu bei, Qualifizierungsdefizite in den Unternehmen rechtzeitig auszumachen und ihnen durch Weiterbildung zu begegnen. Der erste Schritt ist erfolgreich getan. Hier geht es jetzt um die offensive Umsetzung in den Betrieben.

3) Weiterbildung älterer Beschäftigter

Wenn auf mittlere bis lange Sicht die qualifizierten Erwerbspersonen nicht nur weniger, sondern auch immer älter werden, muss auch die betriebliche Personalpolitik reagieren. In den letzten Jahren wurde die Weiterentwicklung betrieblichen Know-hows vor allem über die Einstellung von jungen, frisch ausgebildeten Berufsanfängern sichergestellt. Dieser Weg wird künftig in die Sackgasse führen, weil das Potenzial an jungen Fachkräften immer kleiner wird. Deshalb muss die Erhaltung und Weiterentwicklung der beruflichen Kompetenz älterer Mitarbeiter wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Es muss uns gelingen, das in Deutschland vorhandene Potenzial im vollen Umfang auszuschöpfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Recht, wenn sie feststellt:

„Es kann nicht die Zukunft unserer Gesellschaft sein, dass jemand, der Ende 30 oder Anfang 40 ist, im Grunde als nicht mehr qualifizierbar für einen Technologiesprung gilt. Das können wir uns bei unserer demografischen Entwicklung nicht leisten. Das können wir uns auch vor dem Hintergrund nicht leisten, dass wir den Anspruch erheben, eine menschliche Gesellschaft zu sein“.

4) Zweite Chance

Wir haben uns in den letzten Jahren den Luxus erlaubt, vielen jungen Menschen den Weg in eine Berufsausbildung zu versperren. Deshalb geht es jetzt um eine zweite Chance bei der Gruppe der 25- bis 45-Jährigen.

Die Bildungsvoraussetzungen bei dieser Gruppe sind gut und müssen jetzt genutzt werden. Ohne eine zweite Chance haben diese Menschen ein langes und risikoreiches Erwerbsleben vor sich.

Diese Menschen sollten nicht länger als Problemgruppe des Arbeitsmarktes gesehen werden, sondern als echte Bildungsreserve, als Schatz, der gehoben werden muss.

Noch ein Wort zur Fachkräfteinitiative des Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt der IG Metall:

Sie ist mit ihren drei Elementen
- mehr Ausbildungsplätze
- mehr Studierende im Praxisverbund und
- Stipendien-Tarifvertrag hervorragend geeignet, konkret zu werden beim Thema Fachkräftemangel.

Bei den Ingenieuren muss man wissen: Die Ingenieur-Studenten an den Fachhochschulen haben zu 60% vorher eine Berufsausbildung absolviert. Die Qualität unserer Ingenieure beruht auf dieser Form der Doppelqualifikation.

Die Krise bei den Ausbildungsplätzen und die Einführung von Studiengebühren zeigen hier negative Wirkungen: Der Anteil lag in früheren Jahren bei 70% - jetzt sind es 10% weniger, weil weniger ausgebildet wird und Studiengebühren ein Teil der Bildungswilligen abschreckt. Jetzt rächen sich die Fehler aus der Vergangenheit.

Wir brauchen in der Metall- und Elektroindustrie eine Ausbildungsquote von 7%, um die qualifikatorischen Herausforderungen der Wirtschaftsbranche einigermaßen in Gríff zu bekommen.

IG Metall Frankfurt Ressort Qualifizierungs- und Bildungspolitik

Quelle: IG Metall

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