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Jobrotation anstatt abwerben

EU unterstützt Weiterbildungs- und Berufsqualifizierungskonzept

- von Sascha Zeidler-

Sachsen-Anhalt will durch das System der Jobrotation dem Arbeitsmarkt landesweite Impulse geben. Bei der Jobrotation können kleine und mittelständische Unternehmen ihre Mitarbeiter durch Schulungen qualifizieren, erhalten innerhalb dieses Zeitraums aus einem Pool von Arbeitssuchenden Ersatz vermittelt. Dabei können bis zu 80 % der Qualifizierungskosten für die Beschäftigten der kleinen und mittleren Unternehmen aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gedeckt werden, der Einsatz der Stellvertreter in den Unternehmen wird über das Arbeitsamt mitfinanziert. Hinzu kommen Gelder des Arbeitsamtes, das zwischen 50 und 100 Prozent der Lohnkosten trägt.

"Weiterbildung der eigenen Leute wird von Unternehmern sehr häufig unterschätzt, viele werben stattdessen lieber bei der Konkurrenz ab", weiß André Gottschalk, Geschäftsführer der "ProJob"-Agentur. Von Halle und Magdeburg aus soll sie, landesweit einzigartig in diesem Bereich, bis Ende des Jahres auf insgesamt 1100 Arbeitsplätzen die Angestellten "rotieren" lassen.

"Das Prinzip ist denkbar einfach", erklärt Gottschalk. "Unternehmen mit bis zu 250 Arbeitnehmern können ihre Leute zu vierwöchigen bis einjährigen Weiterbildungen schicken. Damit die Arbeitsplätze nun nicht verwaisen, vermitteln wir den Firmen für diesen Zeitraum einen adäquaten Ersatz." Dazu verfügt ProJob über Arbeitnehmer- und -geber-Pools, akquiriert aus den unterschiedlichsten Berufszweigen ständig neue Betriebe und potentielle Vertretungen. "Die Vorteile der Rotation liegen auf der Hand", fährt Gottschalk fort: "Die zur Schulung geschickten Mitarbeiter wissen, dass sie wichtig für ihre Firma sind und kommen dementsprechend motiviert zurück." Außerdem muss das Unternehmen die Weiterbeschäftigung für mindestens ein Jahr garantieren. "Und die Vertreter bekommen einen Fuß in die Tür und können sich für die eigene Anstellung empfehlen."

Die Firmen selbst müssen nicht tief in die Tasche greifen, "durchschnittlich werden 70 Prozent der Stellvertreter-Löhne vom Arbeitsamt getragen." Hinzu kommt eine großzügige Förderung aus dem ESF, einem der drei Strukturfonds der Europäischen Union. Brüssel überweist zwischen 2000 und 2006 insgesamt mehr als 3,2 Milliarden Euro nach Sachsen-Anhalt. Mit dem Geld sollen die verschiedensten Projekte angeschoben werden, die das Land in seiner Wirtschaftsstruktur stärken. "Ohne die Fördermittel", weiß Gottschalk, "wären hierzulande eine Menge Arbeitsplätze nicht entstanden, auch unsere Arbeit wäre in dem Maße nicht möglich."

Aussagen, die der ProJob-Chef anhand von Zahlen belegen kann: Seine Magdeburger Niederlassung wird 500 der landesweit 1100 Stellvertreter vermitteln. Dabei fallen der ProJob Sach- und Personalkosten in Höhe von rund 445.000 Euro an, ganze 290.000 trägt der ESF. Hinzu kommen Gelder der Bundesanstalt für Arbeit, die zu großen Teilen die Löhne der Stellvertreter übernimmt. "Bislang konnten von den für Nord-Sachsen-Anhalt geplanten 500 Vermittlungen bereits rund 280 durchgeführt werden.

Dieses System sei "eine gute Sache", denkt auch Marko Ziebarth, Geschäftsführer der Wolmirstedter "Good Fellows". Ziebarth will sein junges Unternehmen im Bereich der Internetpromotion etablieren, besucht daher regelmäßig Kurse einer Existenzgründerschulung. Auch er kann als Geschäftsführer direkt von der Jobrotation profitieren, seit Anfang Januar hat er für zwei Monate einen Praktikanten zur Seite gestellt bekommen.

Der Magdeburger Peter Parfil ist seit Dezember in der Kartei von ProJob. Der gelernte Elektroingenieur war zuvor arbeitslos, hat in dieser Zeit eine Umschulung im Computerbereich besucht: "Hier bei Good Fellows kann ich diese Kenntnisse sehr gut anwenden", freut sich der 54-Jährige. "Dass ich schon zum ersten Januar meine Stelle antreten konnte, ist einfach stark." Obwohl mehr als 60 Prozent der von ProJob vermittelten Vertretungen auch übernommen werden, will Parfil nicht über die zwei Monate hinaus in Wolmirstedt bleiben: "Ich habe nämlich schon etwas anderes in Aussicht", lächelt er. Auch Birgit Ziebarth ist froh über das Angebot der Jobrotation: Die gelernte Hauswirtschafterin ist seit Anfang Oktober in einem Altenpflegeheim der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg tätig. "Der Umgang mit den alten Menschen ist mir in den ersten Tagen sehr schwer gefallen", gibt sie unumwunden zu. Ziebarth war vor ihrer Stelle als Altenpflegehelferin bei den Pfeifferschen Stiftungen bereits seit neun Jahren arbeitslos, konnte sich dennoch nach wenigen Tagen an die neue Aufgabe gewöhnen, sich in das Team einfügen. "Die Arbeit macht mir großen Spaß, ich möchte den Umgang mit den Menschen hier im Heim nicht mehr missen." Noch bis Ende Mai ist die Stelle der 42-Jährigen befristet, bis dahin hat sie nun Zeit, sich für eine Festanstellung zu empfehlen.

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21-09-2017


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