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Betriebliche Weiterbildung stärken – Arbeitsförderung nutzen!

Eine Veranstaltung des IG Metall Vorstand, Frankfurt und des Bundesverband JobRotation, Berlin

Im Fokus der Weiterbildungstagung für Beschäftigung und Innovation vom 22. bis 23.03.2007 standen Instrumente zur betrieblichen Personalentwicklung. Die in Berlin durchgeführte Weiterbildungstagung für Beschäftigung und Innovation wurde durch den IG Metall Vorstand in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband JobRotation durchführt.

Zum zweiten Mal stellte die IG Metall das Thema Weiterbildung in den Mittelpunkt einer bundesweiten Tagung: Betriebliche Weiterbildung stärken - Arbeitsförderung nutzen am 22. und 23. März 2007 in Berlin. Wie können Beschäftigte sich leichter weiterbilden? Wie können Arbeitslose eine Chance im Betrieb erhalten? Wie kann die immer wichtiger werdende Qualifizierung Älterer bei längeren Lebensarbeitszeiten voran gebracht werden? Um diese Themen drehte sich die Konferenz mit mehr als 100 Teilnehmern.

Stellen wir uns einen Kleinbetrieb vor. Will der Arbeitnehmer sich weiterbilden, stößt er nicht selten auf den Widerstand des Unternehmens. Die Personaldecke des durchschnittlichen KMU-Betriebes ist keinesfalls auf ein solches Begehren vorbereitet. Der Bedarf an Weiterbildung wird hier schlicht ignoriert. Das kann ein äußerst intelligentes Arbeitsmarktinstrument ändern, das seit 2002 Gesetz ist, aber viel zu wenig bekannt wurde. So umstritten die mit seinem Namen verbundene Rente ist, so unbestreitbar bestechend ist die in Skandinavien erfundene und unter dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester in die Tat umgesetzte Idee mit dem Namen „JobRotation“. Wie das funktioniert? Zurück zu unserem Beschäftigten, der sich weiterbilden möchte. Tut er das, kann sein Arbeitgeber mit JobRotation bis zu 50 Prozent der Kosten erstattet bekommen, wenn er für die betroffene Zeit einen bisher Arbeitslosen befristet einstellt. Es gibt weitere Förder- und Beratungsmöglichkeiten für die Betriebe. „Hier handelt es sich um kurative Arbeitsmarktpolitik“, meint André Gottschalk, der Vorsitzende des Bundesverbandes JobRotation.

Vizekanzler Franz Müntefering, der prominenteste Redner der Konferenz, versteht das Grundgesetz so, dass jeder ein „Recht hat, Bildung zu erfahren.“ „Bescheid wissen, nicht untergebuttert werden, gleiche Augenhöhe - das war der Grundgedanke der Arbeiterbewegung“. Ihm ist folgender Dreiklang wichtig: Individueller Anspruch (auf Bildung), Betriebsinteressen, Standortinteressen. Und auf diese Standortinteressen konzentrierte er sich im Folgenden. Deutschland sei ein Hochlohnland, weil wir ein Hochleistungsland sind. „Billig können andere besser.“ Die Qualifikation der Arbeitnehmer sei der Grundstein für die deutsche Exportweltmeisterschaft. „Wir werden nur gewinnen, Wohlstand haben, Arbeitsplätze sichern, wenn wir die besten sind.“

Den Unternehmen fehlten derzeit 22.000 Ingenieure. Aber 28.600 Ingenieure seien arbeitslos, die will jedoch niemand einstellen, weil sie über 45 Jahre alt seien. Dazu meint Franz Müntefering: „Wir müssen die Arbeit, die es hierzulande gibt, mit denen leisten, die legal in diesem Lande sind.“ Dafür müssen jedoch alle erst einmal richtig Deutsch sprechen lernen. Und das so früh im Leben wie möglich. Weiterhin will der Vizekanzler einen Kombi-Lohn für Ausbildungs- und Chancenlose unter 25 Jahren. 50.000 bis 60.000 jungen Menschen soll damit geholfen werden. JobRotation findet er übrigens gut, weil damit Lernen im Betrieb stattfindet und nicht nur nach Feierabend.

Regina Görner, geschäftsführendes und für Berufsbildung zuständiges Vorstandsmitglied der IG Metall, wies darauf hin, dass die Arbeitsverwaltung das Instrument JobRotation nicht hinreichend motiviert und kreativ anwende. Auch Gottschalk forderte mehr Prozess-Know-how bei der Arbeitsagentur für die entsprechenden Beratungsleistungen. Der Arbeitsminister entgegnete, dass es ihm im Moment darum gehe, die Zahl der politischen Akteure zu verringern, die auf die BA Einfluss nehmen. Auch wenn die Inanspruchnahme des Instruments gering sei, wolle er es erhalten.

Das neue Handbuch „Betriebliche Weiterbildung gestalten - Instrumente für die Praxis von Interessenvertretungen“ wurde im Verlauf der Konferenz der Öffentlichkeit vorgestellt und soll künftig Betriebsräten und natürlich auch Vertrauensleuten den Umgang mit dem Thema Weiterbildung zu erleichtern. Es bietet Informationen zu der Vielzahl neuer Förder- und Gestaltungsmöglichkeiten für die berufliche Bildung und leistet Unterstützung bei der Umsetzung. Der Schwerpunkt liegt auf der JobRotation, aber auch Mitarbeitergespräch, Bedarfsanalyse, Lernzeitkonten, Sabbatical und der Bildungspass werden hier praxisnah und umsetzungsorientiert erläutert.

Anpassungsqualifizierung, 94 Prozent des Gesamtvolumens von Weiterbildung, wird selbstverständlich von den Unternehmen getragen. Was ist jedoch mit der Qualifizierung zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit? Hier wünscht sich Johannes Jakob, Arbeitsmarktpolitiker beim DGB-Bundesvorstand, deutlich mehr Aktivitäten der Arbeitsagentur. Gleiches gilt für die Qualifizierung der Unqualifizierten.

Berufliche Qualifizierung ist ein zentrales Element der Arbeitsmarktpolitik. Aber bei einem Teil der Arbeitslosen bringt berufliche Qualifizierung nicht die Lösung des Problems. Das gilt für Überschuldete, für Suchtkranke und für jene, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Da sind andere Lösungen gefragt, erklärt Heinrich Alt, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Michael Ehrke, Bildungsexperte beim IG Metall Vorstand, und Jakob forderten ein Bundesweiterbildungsgesetz, das zumindest einen individuellen Freistellungsanspruch regelt - so wie es beispielsweise in Frankreich erfolgreich praktiziert wird.

Klaus Brandner, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und IG Metall Chef in Gütersloh, unterstützt das zwar im Grundsatz, ist dagegen froh, dass es das Job-AQTIV-Gesetz und JobRotation angesichts geringer Teilnehmerzahlen (noch) gibt und will die bestehenden Arbeitsmarktinstrumente gegen Angriffe der „Schwarzen“ verteidigen. Er sieht keine lebendige Weiterbildungskultur in Deutschland und glaubt nicht daran, dass ein neues Gesetz diese Kultur wird schaffen können. Es sei unsere gemeinsame Aufgabe, für diese neue Kultur einzutreten.

Zum Thema Fachkräftemangel erläuterte Regina Görner: Auch Leiharbeitsfirmen können nicht die hoch qualifizierten Facharbeiter vermitteln, die von den Betrieben zuvor nicht ausgebildet wurden. Wir brauchen ein regionales Fachkräfte-Monitoring und wieder mehr Verantwortung der Unternehmen. „Es geht nicht ohne Umlage der Kosten“.

Ferner benötigen wir, fasste Regina Görner abschließend zusammen, ein bundesweit gültiges Weiterbildungsgesetz, wie es die Dänen und die Franzosen haben. Die Anwendung von JobRotation wird dafür sorgen, dass in den Betrieben klar wird, was in Sachen Personalentwicklung zu tun ist. Wir müssen das fordern, bis sich die Verantwortlichen dafür schämen, dass sie nicht genügend tun. „Das ist die wesentlichste Zukunftssicherung, die wir als Gewerkschaften den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellen können.“

Die Veranstaltung war der Abschluss des Projektes "JobRotation - neue Erfolgsstrategien für Betriebsräte". Ergebnis der Arbeit ist ein Handbuch für die Betriebsratspraxis, das auf der Tagung präsentiert wurde.

Weitere Details zum Tagungsablauf Referate, Eindrücke und Bilder sind auf den folgenden Seiten zu finden

Weitere Informationen und Kontakt unter dem Menüpunkt Team.


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23-09-2017


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